Vita

Die Vita des Heiligen

Karol Józef

Wojtyla wurde am 18. Mai 1920 als Sohn von Karol (Wojtyla) und Emilia Kaczorowska in Wadowice (in Polen) geboren. Er empfing am darauf folgenden 20. Juni in der Pfarrkirche von Wadowice die Taufe. Er war der Zweitgeborene von zwei Söhnen. Die Freude und Heiterkeit seiner Kindheit wurden sehr bald durch das verfrühte Ableben seiner Mutter erschüttert, die starb, als Karol neun Jahre alt war (1929). Drei Jahre später (1932) starb auch sein älterer Bruder Edmund, und 1941 – im Alter von 21 Jahren – verlor Karol auch seinen Papa.
In der gesündesten patriotischen und religiösen Tradition erzogen, lernte er vom Vater, einem zutiefst christlichen Mann, (die) Frömmigkeit und (die) Nächstenliebe, die er durch beständiges Gebet und das sakramentale Leben nährte. Die Wesenszüge seiner Spiritualität, denen er bis zu seinem Tod treu blieb, waren die aufrichtige Hingabe an den Heiligen Geist und die Liebe zur Madonna. Seine Beziehung zur Muttergottes war besonders tief und lebendig, er lebte sie mit der Zärtlichkeit, mit der Innigkeit eines Sohnes, der sich den Armen der Mutter überlässt, und mit der Mannhaftigkeit eines Ritters, der stets bereit ist, dem Geheiß seiner Herrin zu folgen: „Tut alles, was der Sohn Euch sagt!“ [vgl. Joh 2,5: Was er euch sagt, das tut!“]
Die vollkommene Hingabe an Maria, der er als Bischof mit dem Motto „Totus tuus – Ganz dein“ Ausdruck verleihen sollte, offenbarte auch das Geheimnis, die Welt mit den Augen der Muttergottes anzusehen. Die reiche Persönlichkeit des jungen Karol reifte durch die Verflechtung seiner intellektuellen, moralischen und spirituellen Begabungen mit den Geschehnissen seiner Zeit, die die Geschichte seines Vaterlandes und Europas prägten.In den Gymnasialjahren kam in ihm die Leidenschaft für das Theater und (für) die Poesie auf, die er durch die Aktivität, durch das Wirken der Theatergruppe der Philologischen Fakultät der Jagiellonen-Universität pflegte, an der er sich im akademischen Jahr 1938 einschrieb. Während der Zeit der nationalsozialistischen Besatzung Polens arbeitete er parallel zum heimlich vorangetriebenen Studium vier Jahre lang (von Oktober 1940 bis August 1944) als Arbeiter in den Solvay-Werken; dabei erlebte er die sozialen Probleme der Arbeitswelt von innen heraus und sammelte einen wertvollen Schatz an Erfahrungen, von dem er in seiner (zu)künftigen Soziallehre Gebrauch machte – zuerst als Erzbischof von Krakau und dann als Papst.
In jenen Jahren reifte in ihm die Sehnsucht nach dem Priestertum, zu dem er sich auf den Weg machte, indem er von Oktober 1942 geheime Theologiekurse am Seminar in Krakau besuchte. Bei der Prüfung seiner Priesterberufung wurde er sehr von einem Laien unterstützt, (von) Herrn Jan Tyranowski, einem wahren Apostel der Jugend. Seitdem hatte der junge Karol eine klare Wahrnehmung von der universalen Berufung aller Christen zur Heiligkeit und der unersetzlichen Rolle der Laien in der Sendung der Kirche. Er wurde am 1. November 1946 zum Priester geweiht und feierte am folgenden Tag in der stimmungsvollen Atmosphäre der Krypta des heiligen Leonhard in der Kathedrale auf dem Wawel seine Primiz(-Messe).
Nach Rom gesandt, um seine theologische Ausbildung zu vervollkommnen, war er Schüler der Theologischen Fakultät des Angelicums, wo er mit Eifer aus den Quellen der gesunden Lehre schöpfte und wo er erstmals der Lebendigkeit und dem Reichtum der Universalkirche begegnete, in der privilegierten Situation, die ihm das Leben außerhalb des „Eisernen Vorhangs“ bot. Auf damals geht die Begegnung Don Karols mit dem heiligen Pius von Pietralcina, mit Padre Pio, zurück. Nachdem er sein Studium im Juni 1948 mit Bestnote (mit dem Doktorat) abgeschlossen hatte, kehrte er nach Krakau zurück, um seine Pastoralarbeit als Kaplan zu beginnen. Er ging mit Begeisterung und Großherzigkeit in seinem Amt auf. Nach der Habilitation, dem Erwerb der Lehrbefähigung, nahm er seine Lehrtätigkeit an der Theologischen Fakultät der Jagiellonen-Universität auf und, nach deren Aufhebung, an jener des Diözesanseminars von Krakau und der Katholischen Universität von Lublin. Die mit den jungen Studenten verbrachten Jahre erlaubten ihm, die Ruhelosigkeit ihrer Herzen in ihrer Tiefe zu erkennen, und der junge Priester war für sie nicht nur Lehrer, sondern (auch) geistlicher und Freund.
Im Alter von 38 Jahren wurde er zum Weihbischof in Krakau ernannt. Am 28. September 1958 spendete ihm Erzbischof Eugeniusz Baziak die Bischofsweihe. 1964 folgte er ihm im Amt des Erzbischofs von Krakau nach. Papst Paul VI. erhob ihn am 26 Juni 1967 in den Kardinalsstand. Als Hirte des Bistums Krakau wurde er sogleich geschätzt als ein Mann mit festem und mutigem Glauben, der den Menschen und ihren wirklichen Problemen nahe ist . Er war ein Gesprächspartner, der zuhören konnte und der fähig zum Dialog war, ohne jemals einen Kompromiss einzugehen. Allen gegenüber bestand er auf dem Primat Gottes und Christi, der das Fundament echter Humanität ist und die Quelle der unveräußerlichen Rechte der menschlichen Person. Von den Gläubigen seines Bistums geliebt, von seinen Mitbrüdern im Bischofsamt geschätzt, wurde er von jenen gefürchtet, die in ihm einen Feind sahen.
Am 16. Oktober 1978 wurde er zum Bischof von Rom und Pontifex Romanus gewählt und nahm den Namen Johannes Paul II. an. Sein Herz, das ganz der Sache des Reiches Gottes hingegeben war, weitete sich so der ganzen Welt. Die „Liebe Christi“ drängte ihn, die Pfarreien Roms zu besuchen und das Evangelium in allen Situationen zu verkünden; er war die treibende Kraft unzähliger Apostolischer Reisen in verschiedene Kontinente, die er unternahm um die Brüder in Christus im Glauben zu bestärken, die Trauernden und Mutlosen zu bestärken, die Botschaft der Versöhnung unter die christlichen Kirchen zu tragen und um zwischen denen, die an den einen Gott glauben, und den Menschen guten Willens Brücken der Freundschaft zu bauen. Seine lichtvolle Lehre verfolgte kein anderes Ziel als immer und überall Christus zu verkünden, den einzigen Retter des Menschen.
In seinem außergewöhnlichen missionarischen Eifer hat er die jungen Menschen mit einzigartiger Liebe geliebt. Die Einberufung der Weltjugendtage hatte für ihn den Zweck, den neuen Generationen Jesus Christus und sein Evangelium zu verkünden, um sie zu Protagonisten ihrer Zukunft zu machen und zu Mitarbeitern am Aufbau einer besseren Welt. Seine Sorge als universaler Hirte zeigte sich in der Einberufung zahlreicher Bischofssynoden, in der Errichtung von (neuen) Bistümern und (anderer) kirchlicher Verwaltungskreise, in der Promulgation des lateinischen und des Ostkirchenrechts und des Katechismus der Katholischen Kirche, in der Veröffentlichung von Enzykliken und Apostolischen Exhortationen. Um im Volk Gottes Zeiten intensiveren spirituellen Lebens zu fördern, rief er das besondere Jubiläum der Erlösung ins Leben, sowie das Marianische Jahr, das Jahr der Eucharistie und das Große Jubiläum des Jahres 2000.
Sein leidenschaftlicher Optimismus, der gründete im Vertrauen auf die göttliche Vorsehung, brachte Johannes Paul II. dazu, immerzu auf neue Horizonte der Hoffnung zu schauen, ihn, der die tragische Erfahrung zweier Diktaturen gemacht hatte, der am 13. Mai 1981 ein Attentat erlebt und der in den letzten Jahren durch das Fortschreiten seiner Krankheit körperlich zu leiden hatte. Er lud die Menschen dazu ein, die Mauern der Trennungen niederzureißen und die Resignation zu vertreiben, um sich zu neuen Zielen spiritueller, moralischer und materieller Erneuerung zu erheben.
Er hat sein langes und fruchtbares irdisches Dasein abgeschlossen im Apostolischen Palast im Vatikan am Samstag, dem 2. April des Jahres 2005, dem Vorabend des Weißen Sonntags, dem er den Titel „Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit“ verliehen hatte. Das feierliche Requiem wurde hier auf dem Petersplatz am 8. April 2005 gefeiert. Ein anrührendes Zeugnis für das Gute, das er vollbracht hat, war die Teilnahme zahlreicher Delegationen aus der ganzen Welt und von Millionen Menschen, Gläubigen wie Ungläubigen, die in ihm ein augenfälliges Zeichen der Liebe Gottes zur Menschheit erkannt haben.(Verlesen von Agostino Vallini)

Webcam

Grabstätte von Johannes Paul II.



Webcam der Grabstätte von Johannes Paul II.

Galerie

Sein Leben in Bildern

Bilder von Johannes Paul II.

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Zitate

„Die Mitte der Nacht ist auch schon der Anfang eines neuen Tages.“

„Beten wir, daß überall auf der Welt eine Zivilisation der Liebe entstehen kann.“

„Der größte Erfolg des Teufels besteht darin, den Eindruck zu erwecken, daß es ihn nicht gibt.“

„Krieg ist immer eine Niederlage der Menschheit.“

„Ich bin mehr Feminist, als ihr glaubt.“

„Es kann keinen Frieden geben ohne Gerechtigkeit, und es gibt keine Gerechtigkeit ohne Vergebung.“

„Wie groß ist die Zahl der Menschen, die von diesen Predigten und Gedanken über die letzten Dinge zur Umkehr und Beichte geführt wurden! … Wir können sagen, dass solche Predigten, die mit dem Inhalt der Offenbarung im Alten und Neuen Testament völlig im Einklang standen, zutiefst in die innere Welt des Menschen eindrangen. Sie rüttelten das Gewissen wach, sie warfen den Menschen auf die Knie und führten ihn zum Gitter des Beichtstuhls; sie hatten eine zutiefst heilbringende Wirkung." (Karol Wojtyla, „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“, S. 205)

„Wenn du einsam bist, suche jemanden, der noch einsamer ist. Ihr werdet einander trösten, miteinander aufbrechen und die Welt verändern.“

„Man kommt nach Taizé wie an den Rand einer Quelle.“

„Wir glauben an Gott, weil es so viel Unglaubliches gibt.“

„Möge die Jungfrau Maria, wie sie die Mutter der Kirche ist, so auch die Mutter der »Hauskirche« sein!“

„Ich bete für den Bruder, der mich verwundet hat und dem ich aufrichtig vergeben habe.“

„Gott sagt »Du« zu uns. Wir finden ihn nur, wenn auch wir zu ihm »Du« sagen.“

„Man kann nicht nur auf Probe leben, man kann nicht nur auf Probe sterben, man kann nicht nur auf Probe lieben, nur auf Probe und Zeit einen Menschen annehmen.“ (Bei seinem Deutschlandbesuch in Köln, am 15. November 1980)

»Die Zukunft hängt an der Liebe.«

Gebet

Novene zum heiligen Johannes Paul II.

13. Oktober – 21. Oktober (oder an sonstigen 9 Tagen im Jahr)

O, heiliger Johannes Paul II. gewähre uns deinen Segen vom Fenster des Himmels! Segne die Kirche, die du geliebt hast, der du gedient und die du geführt hast, die du mutig durch die Welt geleitet hast, um Jesus zu allen und alle zu Jesus zu bringen. Segne die jungen Menschen, die deine grosse Passion waren. Hilf ihnen wieder zu träumen, hilf ihnen wieder hoch hinauf zu schauen, um das Licht zu finden, das hier auf Erden die Lebenswege erleuchtet.

Segne die Familien, segne jede einzelne Familie! Du hast gewarnt, vor den Angriffen Satans auf diesen wertvollen und unersetzlichen göttlichen Funken, den Gott auf Erden entzündet hat. Heiliger Johannes Paul II. beschütze mit deinem Gebet die Familie und jedes Leben, das in der Familie erblüht.

Bete für die ganze Welt, die weiterhin gekennzeichnet von Spannungen, Kriegen und Ungerechtigkeiten ist. Du bist dem Krieg entgegengetreten, indem du den Dialog erbittet und Samen der Liebe gesät hast. Bitte für uns, dass wir unermüdliche Säer des Friedens sind.

O, heiliger Johannes Paul II., vom himmlischen Fenster aus, wo wir dich neben Maria sehen, sende den Segen Gottes auf uns alle herab. Amen.

Einstiegsgebet und Lesung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Herr, öffne meine Lippen
Und mein Mund soll deinen Ruhm verkünden.

O, Gott komm mir zu Hilfe
Herr, eile mir zu helfen.

Ehre sein dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

Lesung des Tages (optional)
Gebete: Vater Unser, Ave Maria, Ehre sei dem Vater

Litanei

Kyrie eleison, Kyrie eleison
Christe eleison, Christe eleison
Kyrie eleison, Kryrie eleison
Christus höre uns, Christus erhöre uns
Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser
Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser
Gott Heiliger Geist, erbarme dich unser
Heiliger dreifaltiger Gott, erbarme dich unser
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns
Heiliger Johannes Paul II., bitte für uns
Perfekter Jünger Christi, bitte für uns
Grosszügig mit den Gaben des Heiligen Geistes beschenkt, bitte für uns
Grosser Apostel der Göttlichen Barmherzigkeit, bitte für uns
Treuer Sohn Mariens, bitte für uns
Ganz der Mutter Gottes gewidmet, bitte für uns
Beharrlicher Prediger des Evangeliums, bitte für uns
Pilger-Papst, bitte für uns
Papst des Milleniums, bitte für uns
Vorbild von Fleiss, bitte für uns
Vorbild der Priester, bitte für uns
Kraft aus der Eucharistie beziehend, bitte für uns
Unermüdlicher Mann des Gebets, bitte für uns
Liebhaber des Rosenkranzes, bitte für uns
Stärke für jene, die in ihrem Glauben zweifeln, bitte für uns
Sehnend danach, alle die an Christus glauben zu vereinen, bitte für uns
Bekehrer der Sünder, bitte für uns
Verteidiger der Würde jeder Person, bitte für uns
Verteidiger des Lebens von der Empfängnis her bis zum natürlichen Tod, bitte für uns
Betend um das Geschenk der Elternschaft für die Unfruchtbaren, bitte für uns
Freund der Kinder, bitte für uns
Führer der Jugend, bitte für uns
Fürbitter der Familien, bitte für uns
Tröster der Leidenden, bitte für uns
Tapfer seinen Schmerz ertragend, bitte für uns
Säer der göttlichen Freude, bitte für uns
Grosser Fürsprecher für den Frieden, bitte für uns
Stolz der polnischen Nation, bitte für uns
Brillianz der Heiligen Kirche, bitte für uns
Auf dass wir treue Nachahmer Christi werden, bitte für uns
Auf dass wir stark werden mit der Kraft des Heiligen Geistes, bitte für uns
Auf dass wir in die Mutter Gottes Vertrauen haben, bitte für uns
Auf dass wir im Glauben, in der Hoffnung und in der Nächstenliebe wachsen, bitte für uns
Auf dass wir in Frieden in unseren Familien leben, bitte für uns Auf dass wir wissen wie zu vergeben, bitte für uns
Auf dass wir wissen wie Leiden aushalten, bitte für uns
Auf dass wir uns nicht der Kultur des Todes ergeben, bitte für uns
Auf dass wir uns nicht fürchten, und mutig verschiedene Versuchungen abwehren, bitte für uns
Auf dass er für uns die Gnade eines glücklichen Todes vermittle, bitte für uns

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr!
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr!
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, erbarme dich unser!

Bitte für uns, heiliger Johannes Paul II., auf dass wir würdig werden der Verheissungen Christi.

O, heilige Dreifaltigkeit, wir danken dir, dass du die Kirche mit Papst Johannes Paul II. beschenkt hast und erlaubt hast, dass deine zarte väterliche Fürsorge, die Glorie des Kreuzes Christi und die Pracht des Heiligen Geistes durch ihn leuchteten. Indem er völlig auf deine unendliche Barmherzigkeit und auf die mütterliche Fürsprache Mariens vertraut hat, hat er uns ein lebendiges Abbild von Jesus, dem guten Hirten gegeben, und hat uns gezeigt, dass Heiligkeit das notwendige Mass des gewöhnlichen christlichen Lebens und der Weg, ewige Vereinigung mit Dir zu erreichen, ist. Gewähre uns durch seine Fürsprache und gemäss deinem Willen die Gnaden die wir erflehen, besonders für ... (Pause, um Gebetsanliegen einzufügen). Wir bitten Dich darum und sind mit Dankbarkeit erfüllt, weil er nun zu deinen Heiligen gehört. Amen.

Abschluss

Mache das Kreuzzeichen während den folgenden Worten:
Möge der Herr uns segnen, vor allem Bösen beschützen und uns das ewige Leben schenken. Amen.
Heiliger Johannes Paul II., bitte für uns!

Informationen zu Papst Johannes Paul II.

Geboren in Polen am 18. Mai 1920
Zum Priester geweiht am 1. November 1946
Zum Bischof geweiht am 28. September 1958
Zum Papst erwählt am 16. Oktober 1978
In die Ewigkeit eingetreten am 2. April 2005
Seliggesprochen am 1. Mai 2011
Heiliggesprochen am 26. April 2014
Novene: 13. Oktober – 21. Oktober (oder an sonstigen 9 Tagen im Jahr)
Gedenktag: 22. Oktober

Original auf Englisch „Novena to Saint Pope John Paul II.“ von Pater Jim Chern, Montclair State University, New Jersey
Deutsche Übersetzung: janwebmedien.ch

Videos

Videos sind auf der YouTube-Seite "Giovanni Paolo" sowie auf der katholischen Community Kathspace zu finden.

Medien

Predigten

Papstpredigt zur Heiligsprechung

Im Mittelpunkt dieses Sonntags, der die Osteroktav beschließt und den Johannes Paul II. der Göttlichen Barmherzigkeit geweiht hat, stehen die glorreichen Wunden des auferstandenen Jesus. Schon beim ersten Mal, als Jesus am Abend des Tages nach dem Sabbat, am Tag der Auferstehung, den Aposteln erschien, zeigte er ihnen seine Wunden. An jenem Abend war aber Thomas nicht dabei. Und als die anderen ihm sagten, dass sie den Herrn gesehen hatten, antwortete er, er werde nicht glauben, bevor er jene Wunden nicht gesehen und berührt habe. Acht Tage darauf erschien Jesus erneut im Abendmahlssaal inmitten der Jünger, und auch Thomas war da. Jesus wandte sich an ihn und forderte ihn auf, seine Wunden zu berühren. Und da kniete dieser ehrliche Mann, der daran gewöhnt war, alles selbst zu überprüfen, vor Jesus nieder und sagte: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28).

Die Wunden Jesu sind ein Ärgernis für den Glauben, aber sie sind auch ein Nachweis für den Glauben. Darum verschwinden die Wunden am Leib des auferstandenen Christus nicht; sie bleiben, denn diese Wunden sind das ständige Zeichen der Liebe Gottes zu uns, und sie sind unerlässlich für den Glauben an Gott. Nicht um zu glauben, dass Gott existiert, sondern um zu glauben, dass Gott Liebe, Barmherzigkeit und Treue ist. Der heilige Petrus nimmt die Worte des Propheten Jesaja auf und schreibt an die Christen: »Durch seine Wunden seid ihr geheilt« (1 Petr 2,24; vgl. Jes 53,5).

Johannes XXIII. und Johannes Paul II. hatten den Mut, die Wundmale Jesu anzuschauen, seine verwundeten Hände und seine durchbohrte Seite zu berühren. Sie haben sich der Leiblichkeit Christi nicht geschämt, haben an ihm, an seinem Kreuz keinen Anstoß genommen; sie haben die Leiblichkeit des Mitmenschen nicht gescheut (vgl. Jes 58,7), denn in jedem leidenden Menschen sahen sie Jesus. Sie waren zwei mutige Männer, erfüllt vom Freimut des Heiligen Geistes, und haben der Kirche und der Welt Zeugnis gegeben von der Güte Gottes und von seiner Barmherzigkeit.

Sie waren Priester, Bischöfe und Päpste des 20. Jahrhunderts. Dessen Tragödien haben sie erfahren, sind davon aber nicht überwältigt worden. Stärker war in ihnen Gott; stärker war der Glaube an Jesus Christus, den Erlöser des Menschen und Herrn der Geschichte; stärker war in ihnen die Barmherzigkeit Gottes, die sich in diesen fünf Wunden offenbart; stärker war die mütterliche Liebe Marias.

In diesen beiden Männern, die in der Betrachtung der Wunden Christi lebten und Zeugen seiner Barmherzigkeit waren, wohnte „eine lebendige Hoffnung“ vereint mit »unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude« (1 Petr 1,3.8) – die Hoffnung und die Freude, die der auferstandene Christus seinen Jüngern schenkt und die nichts und niemand ihnen nehmen kann. Die österliche Hoffnung und die österliche Freude, die den Schmelztiegel der Entäußerung und der inneren Leere, der Nähe zu den Sündern bis zum Letzten, bis zum Überdruss angesichts der Bitterkeit dieses Kelches durchschritten haben: Das sind die Hoffnung und die Freude, mit denen die beiden heiligen Päpste vom auferstandenen Herrn beschenkt wurden und die sie ihrerseits in Fülle an das Volk Gottes verschenkt haben, wofür sie ewigen Dank empfangen.

Diese Hoffnung und diese Freude bildeten das Klima, in dem die Urgemeinde der Gläubigen in Jerusalem lebte, von der uns die Apostelgeschichte berichtet (vgl. 2,42-47). Es ist eine Gemeinde, in der das Wesentliche des Evangeliums gelebt wird, nämlich die Liebe und die Barmherzigkeit in Einfachheit und Brüderlichkeit.

Und das ist das Bild der Kirche, das dem Zweiten Vatikanischen Konzil vorschwebte. Johannes XXIII. und Johannes Paul II. haben mit dem Heiligen Geist zusammengearbeitet, um die Kirche entsprechend ihrer ursprünglichen Gestalt wiederherzustellen und zu aktualisieren, entsprechend der Gestalt, die ihr im Laufe der Jahrhunderte die Heiligen verliehen haben. Vergessen wir nicht, dass es gerade die Heiligen sind, die die Kirche voranbringen und wachsen lassen. In der Einberufung des Konzils hat Johannes XXIII. eine feinfühlige Folgsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist bewiesen, hat sich führen lassen und war für die Kirche ein Hirte, ein geführter Führer. Das war sein großer Dienst an der Kirche; er war der Papst der Folgsamkeit gegenüber dem Geist.

In diesem Dienst am Volk Gottes ist Johannes Paul II. der Papst der Familie gewesen. So wollte er, wie er einmal sagte, in die Erinnerung eingehen: als Papst der Familie. Ich hebe das gerne hervor, da wir gerade einen Weg zur Synode über die Familie und mit den Familien beschreiten, den er vom Himmel her sicher begleitet und unterstützt.

Mögen diese beiden neuen heiligen Hirten des Gottesvolkes mit ihrer Fürsprache für die Kirche eintreten, damit sie in diesen zwei Jahren des Synodenweges fügsam sei gegenüber dem Heiligen Geist in ihrem pastoralen Dienst an der Familie. Mögen beide uns lehren, keinen Anstoß zu nehmen an den Wunden Christi und in das Geheimnis der göttlichen Barmherzigkeit einzudringen, die immer hofft und immer verzeiht, weil sie immer liebt.

Papstpredigt zur Seligsprechung

Liebe Brüder und Schwestern!

Vor nunmehr sechs Jahren befanden wir uns auf diesem Platz zur Begräbnisfeier von Papst Johannes Paul II. Groß war der Schmerz über den Verlust, aber noch größer war die Erfahrung einer unendlichen Gnade, die Rom und die ganze Welt umfing: die Gnade, die wie die Frucht des ganzen Lebens meines geliebten Vorgängers und besonders seines Zeugnisses im Leiden war. Schon an jenem Tag spürten wir den Duft seiner Heiligkeit ausströmen, und das Volk Gottes hat auf viele Weisen seine Verehrung für ihn zum Ausdruck gebracht. Daher wollte ich, daß sein Seligsprechungsprozeß unter entsprechender Beachtung der Vorschriften der Kirche ziemlich rasch vorangehen konnte. Und heute ist der erwartete Tag gekommen; er ist schnell gekommen, weil es dem Herrn so gefallen hat: Johannes Paul II. ist selig!

Herzlich möchte ich euch alle grüßen, die ihr zu diesem freudigen Anlaß so zahlreich aus allen Teilen der Welt nach Rom gekommen seid: Kardinäle, Patriarchen der katholischen Ostkirchen, Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt, die offiziellen Delegationen, Botschafter und Vertreter des öffentlichen Lebens, Gottgeweihte und gläubige Laien. Mein Gruß gilt ebenso allen, die über Radio und Fernsehen mit uns verbunden sind.

Dieser Sonntag ist der Zweite Sonntag der Osterzeit, den der selige Johannes Paul II. nach der Göttlichen Barmherzigkeit benannt hat. Daher wurde dieses Datum für die heutige Feier gewählt, weil nach dem Plan der Vorsehung mein Vorgänger genau am Vorabend dieses Festtages Gott seinen Geist befohlen hat. Heute ist außerdem der erste Tag des Marienmonats Mai; und es ist auch der Gedenktag des heiligen Josef des Arbeiters. Diese Elemente treffen zusammen und bereichern so unser Gebet; sie helfen uns, die wir noch Pilger in Raum und Zeit sind. Im Himmel hingegen ist die Feier unter den Engeln und Heiligen ganz anders! Und doch ist Gott einer, und einer ist Christus, der Herr, der wie eine Brücke Erde und Himmel verbindet. Und in diesem Augenblick fühlen wir uns mehr denn je nahe, als nähmen wir gleichsam teil an der himmlischen Liturgie.

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Joh 20,29). Im heutigen Evangelium spricht Jesus diese Seligpreisung aus, die Seligpreisung des Glaubens. Sie berührt uns auf besondere Weise, da wir versammelt sind, um eben eine Seligsprechung zu feiern, und noch mehr, da heute ein Papst seliggesprochen wird, ein Nachfolger Petri, der dazu berufen war, die Brüder im Glauben zu stärken. Johannes Paul II. ist selig durch seinen starken und großherzigen, seinen apostolischen Glauben. Und sogleich denken wir an jene andere Seligpreisung: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel“ (Mt 16,17). Was hat der himmlische Vater dem Simon offenbart? Daß Jesus der Christus ist, der Sohn des lebendigen Gottes. Durch diesen Glauben wird Simon zu „Petrus“, zum Fels, auf den Jesus seine Kirche bauen kann. Die ewige Seligkeit Johannes Pauls II., die die Kirche heute freudig verkündet, besteht ganz in diesen Worten Christi: „Selig bist du, Simon“, und „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Es ist die Seligpreisung des Glaubens, den auch Johannes Paul II. als Gabe von Gott Vater für den Aufbau der Kirche Christi erhalten hat.

Aber unsere Gedanken gehen zu einer anderen Seligpreisung, die im Evangelium allen anderen vorausgeht. Es ist jene der Jungfrau Maria, der Mutter des Erlösers. Ihr, die soeben Jesus in ihrem Schoß empfangen hat, sagt die heilige Elisabeth: „Selig ist die, die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“ (Lk 1,45). Die Seligpreisung des Glaubens hat ihr Vorbild in Maria. Wir alle freuen uns, daß die Seligsprechung von Johannes Paul II. am ersten Tag des Marienmonats stattfindet, unter dem mütterlichen Blick Marias, die durch ihren Glauben den Glauben der Apostel gestützt hat und fortwährend den Glauben ihrer Nachfolger stützt, besonders jener, die auf den Stuhl Petri berufen sind. Maria kommt in den Erzählungen der Auferstehung Christi nicht vor, aber ihre Anwesenheit ist gleichsam überall verborgen: Sie ist die Mutter, der Jesus jeden einzelnen der Jünger und die ganze Gemeinschaft anvertraut hat. Im besonderen stellen wir fest, daß der heilige Johannes und der heilige Lukas Marias wirkliche und mütterliche Gegenwart an jenen Stellen anführen, die dem heutigen Evangelium und der ersten Lesung vorausgehen: im Bericht über den Tod Jesu, wo Maria zu Füßen des Kreuzes erwähnt wird (Joh 19,25); und am Beginn der Apostelgeschichte, die sie in der Mitte der zum Gebet im Abendmahlssaal versammelten Jünger zeigt (Apg 1,14).

Auch die heutige zweite Lesung spricht uns vom Glauben, und es ist genau Petrus, der voller geistlichem Enthusiasmus schreibt und den Neugetauften den Grund ihrer Hoffnung und ihrer Freude angibt. Gerne möchte ich anmerken, daß Petrus in diesem Abschnitt zu Beginn seines ersten Briefes nicht in der Aufforderung, sondern im Indikativ spricht. Er schreibt nämlich: „Ihr seid voll Freude“ – und er fügt hinzu: „Ihn habt ihr nicht gesehen, und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude, da ihr das Ziel des Glaubens erreichen werdet: euer Heil“ (1 Petr 1,6.8-9). Alles steht im Indikativ, weil es eine neue Wirklichkeit gibt, die durch die Auferstehung Christi bewirkt ist, eine Wirklichkeit, die dem Glauben zugänglich ist. „Das hat der Herr vollbracht“ – wie es im Psalm heißt –, „vor unseren Augen geschah dieses Wunder“ (Ps 118,23), vor den Augen des Glaubens.

Liebe Brüder und Schwestern, heute erstrahlt vor unseren Augen im vollen geistlichen Licht des auferstandenen Christus die Gestalt des geliebten und verehrten Johannes Paul II. Heute wird sein Name der Schar der Heiligen und Seligen hinzugefügt, die er während der fast 27 Jahre seines Pontifikates heilig- und seliggesprochen hatte. Dabei hatte er nachdrücklich an die allgemeine Berufung zum hohen Maß des christlichen Lebens – zur Heiligkeit – erinnert, wie sie die Konzilskonstitution Lumen gentium über die Kirche bekräftigt hatte. Alle Glieder des Volkes Gottes – Bischöfe, Priester, Diakone, Laien, gottgeweihte Männer und Frauen – wir alle sind auf dem Weg zur himmlischen Heimat, in welche uns die Jungfrau Maria vorausgegangen ist, die mit dem Geheimnis Christi und der Kirche auf einzigartige und vollkommene Weise verbunden ist. Karol Wojtyła hat zuerst als Weihbischof und dann als Erzbischof von Krakau am Zweiten Vatikanischen Konzil teilgenommen; er wußte ja, daß das letzte Kapitel des Dokumentes über die Kirche Maria zu widmen bedeutete, die Mutter des Erlösers zum Bild und Vorbild der Heiligkeit für jeden Christen und für die ganze Kirche zu machen. Diese theologische Sicht hat der selige Johannes Paul II. als Jugendlicher entdeckt und dann während seines ganzen Lebens bewahrt und vertieft – eine Sicht, die im biblischen Bild von Christus am Kreuz und seiner Mutter Maria unter dem Kreuz zusammengefaßt ist. Es ist ein Bild, das sich im Johannes-Evangelium findet (Joh 19,25-27) und das in das Bischofs- und dann in das Papstwappen von Karol Wojtyła aufgenommen wurde: ein goldenes Kreuz, ein „M“ rechts unten und das Motto „Totus tuus“, das vom bekannten Wort des heiligen Ludwig Maria Grignion von Montfort stammt, in dem Karol Wojtyła ein Grundprinzip für sein Leben gefunden hat: „Totus tuus ego sum et omnia mea tua sunt. Accipio te in mea omnia; præbe mihi cor tuum, Maria.“ – „Ich bin ganz dein, und alles, was ich habe, ist dein. Dich nehme ich zu mir als mein alles; schenke mir dein Herz, o Maria“ (Abhandlung über die wahre Andacht zu Maria, Nr. 266).

In seinem Testament schrieb der neue Selige: „Als das Konklave der Kardinäle am 16. Oktober 1978 Johannes Paul II. wählte, sagte der polnische Primas Kardinal Stefan Wyszyński zu mir: »Die Aufgabe des neuen Papstes wird es sein, die Kirche ins Dritte Jahrtausend zu führen«.“ Und weiter führte er aus: „[Ich möchte] noch einmal Dankbarkeit gegenüber dem Heiligen Geist für das große Geschenk des Zweiten Vatikanischen Konzils zum Ausdruck bringen, als dessen Schuldner ich mich gemeinsam mit der ganzen Kirche – und vor allem mit dem gesamten Episkopat – fühle. Ich bin überzeugt, daß es den neuen Generationen noch lange aufgegeben sein wird, die Reichtümer auszuschöpfen, die dieses Konzil des 20. Jahrhunderts uns geschenkt hat. Als Bischof, der an dem Konzilsgeschehen vom ersten bis zum letzten Tag teilgenommen hat, möchte ich dieses große Erbe all jenen anvertrauen, die in Zukunft gerufen sein werden, es zu verwirklichen. Ich selbst aber danke dem Ewigen Hirten dafür, daß er mir erlaubt hat, dieser großartigen Sache während all der Jahre meines Pontifikats zu dienen.“ Und was ist diese „Sache“? Es ist dieselbe, die Johannes Paul II. in seiner ersten feierlichen Messe auf dem Petersplatz mit den denkwürdigen Worten angesprochen hat: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!“. Was der neugewählte Papst von allen erbat, das hat er selbst als erster vorgemacht: Er hat die Gesellschaft, die Kultur, die Bereiche der Politik und der Wirtschaft für Christus geöffnet. Mit der Kraft eines Riesen – die er von Gott erhalten hat – hat er eine Tendenz umgedreht, die unumkehrbar erscheinen mochte. Mit seinem Zeugnis des Glaubens, der Liebe und des apostolischen Mutes, das von einer großen Menschlichkeit begleitet wurde, hat dieser beispielhafte Sohn der polnischen Nation den Christen auf der ganzen Welt geholfen, keine Angst zu haben, sich Christen zu nennen, zur Kirche zu gehören und vom Evangelium zu sprechen. Mit einem Wort, er hat uns geholfen, keine Angst vor der Wahrheit zu haben, denn die Wahrheit ist die Garantie der Freiheit. Noch einmal ganz kurz, er hat uns die Kraft wiedergegeben, an Christus zu glauben, weil Christus Redemptor hominis, der Erlöser des Menschen ist – das Thema seiner ersten Enzyklika und der Leitgedanke aller anderen.

Als Karol Wojtyła den Stuhl Petri bestieg, brachte er sein tiefgehendes Nachdenken über die Auseinandersetzung zwischen Marxismus und Christentum mit, in deren Mitte der Menschen steht. Seine Botschaft war diese: Der Mensch ist der Weg der Kirche, und Christus ist der Weg des Menschen. Mit dieser Botschaft, die die große Hinterlassenschaft des Zweiten Vatikanischen Konzils und seines „Steuermanns“, des Dieners Gottes Papst Paul VI. ist, hat Johannes Paul II. das Volk Gottes geleitet. So hat es die Schwelle des Dritten Jahrtausends überschritten, die er gerade mit Blick auf Christus die „Schwelle der Hoffnung“ genannt hat. Ja, mittels des langen Wegs der Vorbereitung auf das Große Jubiläum hat er den Christen eine neue Orientierung auf die Zukunft hin gegeben, auf eine Zukunft mit Gott, welcher die Geschichte übersteigt, doch ebenso auf die Geschichte einwirkt. Diesen Dienst der Hoffnung, der in gewisser Weise dem Marxismus und der Fortschrittsideologie überlassen worden war, hat er zu Recht wieder für das Christentum beansprucht, indem er ihm das authentische Aussehen der Hoffnung wieder gab, in der Geschichte in einem Geist der „Erwartung“ zu leben, in einer persönlichen wie gemeinschaftlichen Existenz zu leben, die sich an Christus orientiert, der die Fülle des Menschen und die Vollendung seiner Suche nach Gerechtigkeit und Frieden ist.

Schließlich möchte ich auch Gott Dank sagen für die persönliche Erfahrung, die er mir gewährt hat, über eine lange Zeit Mitarbeiter des seligen Papstes Johannes Pauls II. gewesen zu sein. Schon früher hatte ich Gelegenheit, ihn kennen und schätzen zu lernen. Doch ab 1982, als er mich als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre nach Rom berief, konnte ich ihn 23 Jahre lang aus der Nähe erleben und habe seine Person immer mehr geschätzt. Mein Dienst wurde durch seine spirituelle Tiefe und den Reichtum seiner Intuition getragen. Sein beispielhaftes Beten hat mich immer berührt und erbaut: Er tauchte ein in die Begegnung mit Gott, auch inmitten der vielfältigen Obliegenheiten seines Dienstes. Und dann sein Zeugnis im Leiden: Der Herr hat ihm allmählich alles genommen, aber er ist stets der „Fels“ geblieben, wie Christus es gewollt hat. Seine tiefe Demut, die in der inneren Einheit mit Christus wurzelte, hat es ihm erlaubt, die Kirche weiter zu leiten und der Welt eine noch beredtere Botschaft zu geben – gerade in der Zeit, als seine physischen Kräfte abnahmen. So hat er in einzigartiger Weise die Berufung eines jeden Priesters und Bischofs verwirklicht: ganz eins zu werden mit jenem Jesus, den er täglich in der Eucharistie empfängt und darbringt.

Selig bist du, geliebter Papst Johannes Paul II., weil du geglaubt hast! Wir bitten dich, stärke vom Himmel her weiter den Glauben des Volkes Gottes. Amen.

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